Hoffentlich kommt der „falsche“ DHL-Zusteller

Wie ein Paket auf eine teure Reise ging und immer noch nicht ankam.

Die Szene, in der Tom Hanks als Chuck Noland in „Cast Away“ das unge­öff­ne­te FedEx-Paket aus­lie­fert, hat mich immer tief bewegt. Der Auftrag, ein auf­ge­ge­be­nes Paket zuzu­stel­len, wird allen Katastrophen zum Trotz erfüllt. Bei der Deutschen Post DHL Group lie­gen die Dinge anders. Schon klei­ne­re Hürden las­sen die Zustellung schei­tern. Ein Beispiel: Seit dem 23. Mai befin­det sich ein Paket in der Obhut der DHL Group. Die Zustellung hät­te am 25. Mai ihren ord­nungs­ge­mä­ßen Adressaten erreicht, wäre da nicht die Klingelanlage gewe­sen mit der fol­gen­den Aufschrift: „Klingelanlage. Nach ein­ge­ge­be­ner Appartement-Nr., die sie (ja, tat­säch­lich klein geschrie­ben) bit­te der Briefkastennummer ent­neh­men wol­len, (Taste Symbol Glocke drücken).“ Am Abend des 25. Mai war in der Sendungsverfolgung zu lesen: „Leider war eine Zustellung der Sendung heu­te nicht mög­lich, da der Empfänger nicht ermit­telt wer­den konn­te.“

Die Zeit dräng­te. Der Inhalt des Pakets wur­de vom Filius für einen Messejob benö­tigt. Ein Anruf bei der Hotline bestä­tig­te die Richtigkeit der Empfängeradresse. Freundliches Bedauern auf der ande­ren Seite der Leitung; ein Kontakt zum Zusteller sei für die Mitarbeiter der Hotline nicht mög­lich, um eine erneu­te Zustellung zu ver­an­las­sen. Das Paket ging zurück an den Absender. Der bat den Auslieferer höf­lich um eine erneu­te Zustellung des Pakets an den Adressaten, eine Dienstleistung, für die er schließ­lich bezahlt hat­te.

Versteigern oder vernichten?

Der Zusteller nick­te, ließ das Paket jedoch statt nach Göttingen in die Zentrale Paketermittlung nach Wuppertal über­füh­ren. Zwei Wochen spä­ter erklär­te ein Anschreiben, dass die adres­sier­te Sendung nicht aus­ge­lie­fert wer­den konn­te, weil der Absender die Annahme ver­wei­gert habe. Für die Lagerung und „beson­de­re Behandlung“ berech­net DHL nun eine Aufwandspauschale von 29,40 Euro zuzüg­lich 7,49 Euro erneu­te Zustellgebühr. Unter der im Schreiben ange­ge­be­nen Rufnummer nahm zu den Servicezeiten von 8.00 bis 13.00 Uhr zu kei­ner Zeit jemand den Hörer ab.

Nach eini­gen Recherchen ist der Kunde der DHL-Group klü­ger. Von Kastriot Alite, einem DHL-Service-Mitarbeiter, war zu erfah­ren, dass Pakete nur dann zuge­stellt wer­den dür­fen, wenn ein Name auf der Klingel steht. Ein Name auf dem Briefkasten zäh­le dabei nicht. Auch wenn in der Vergangenheit schon Pakete an die­se Adresse zuge­stellt wor­den sei­en, sei dies nicht zuläs­sig gewe­sen. Dann fiel der omi­nö­se Satz: „Die, die zulie­fern, wenn der Empfänger auf der Klingel kei­nen Namen hat, sind fal­sche Zusteller.“ Das Paket wer­de ent­we­der ver­nich­tet oder ver­stei­gert, wenn nicht 36,89 Euro über­wie­sen wür­den.

In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen war im Übrigen kein Hinweis zu fin­den, dass bei Klingelanlagen ohne Namensschilder kei­ne Zustellung erfolgt. Meine Sympathie gilt jetzt allen DHL-Zustellern, die sich nicht an inter­ne büro­kra­ti­sche Anweisungen hal­ten, son­dern ein­fach zustel­len – eben wie Chuck Noland ali­as Tom Hanks.