Dem Verbrechen auf der Spur 

Gibt es zu viel Alkohol und Leichen im Fernsehen?

Die „CSI“ von Düsseldorf: Prof. Dr. med. Stefanie Ritz-Timme, Dr. med. Britta Gahr, Andreas Fritsch, Udo Moll

Eine Bundesbeauftragte für Suchtgefahren hat beklagt, dass im Fernsehen zu viel Alkohol kon­su­miert wer­de. Das hät­te einen schlech­ten Einfluss auf Jugend und Gesellschaft, auch wenn sich aktu­ell weni­ger Jugendliche ins Koma sau­fen. Solche Warnungen zu ver­brei­ten, das ist die Aufgabe von Beauftragten, wenn man so will, ihr Auftrag. Noch gibt es kei­ne Mord- und Gewaltverhütungsbeauftragten außer­halb des Jugendschutzes, die die Programme nach einer ver­träg­li­chen Anzahl die­ser Delikte über­prü­fen. Warum eigent­lich nicht? Vielleicht, weil Morde im Fernsehen immer auf­ge­klärt wer­den, Trinker aber unab­läs­sig trin­ken?

Der Blick hin­ter die Kulissen

Neulich gelang es mir erst­mals, eine Karte für die außer­or­dent­lich belieb­te Forensische Nacht im Universitätsklinikum der Heinrich-Heine-Universität zu ergat­tern. Aus den zahl­rei­chen ame­ri­ka­ni­schen und deut­schen Serien und vor allem von Prof. Dr. Dr. Karl-Friedrich Boerne (Universität Münster) wis­sen wir schließ­lich, welch wich­ti­ge Hinweise fast jede Kommissarin und jeder Kommissar den in der kri­mi­na­li­sti­schen Unterwelt wir­ken­den Rechtsmedizinern (manch­mal ist es auch ein Gefängnisarzt) ver­dankt.

Bei der Forensischen Nacht im November nah­men Düsseldorfer Rechtsmediziner und Kommissare die Arbeit jen­seits des Atlantiks ins Visier und unter­such­ten ame­ri­ka­ni­sche Fernsehserien wie CSI, Crossing Jordan, Dexter und iZombie – Serien, in denen coo­le Ermittler und Rechtsmediziner oft gleich meh­re­re Tötungsdelikte im Episodentakt auf­klä­ren. Prof. Dr. med. Stefanie Ritz-Timme, Leiterin des Instituts für Rechtsmedizin im Universitätsklinikum Düsseldorf, und ihre Kollegin Dr. med. Britta Gahr, über­führ­ten ihre ame­ri­ka­ni­schen „Kollegen“ anhand eini­ger Filmsequenzen im Handumdrehen: Glauben Sie auf kei­nen Fall, dass jemand mit blo­ßem Auge erken­nen kann, ob sich DNA an einem Wattestäbchen befin­det. Und kein Rechtmediziner wür­de im Schädel nach einem Projektil gra­ben. Dafür wür­de man hier­zu­lan­de erst ein­mal den Schädel eröff­nen, erklär­te Ritz-Timme.

Ein Herz hat ein jeder

Anders zumu­te wur­de mir aller­dings, als ich bei der „ech­ten“ Arbeit der Rechtsmedizinerin zuschau­en durf­te. Das jedoch nicht ohne die gut­ge­mein­te Warnung, bei zar­ter Besaitung der Seele „die Äuglein zu schlie­ßen“. Ich schlug die Warnung in den Wind und sah, wie in einem Video ein Herz nach allen Regeln der Kunst unter­sucht, prä­pa­riert und in klei­ne Scheiben geschnit­ten wur­de. Tagelang ging mir das gelb­lich gefärb­te, offen­bar ver­fet­te­te Herz nicht aus dem Sinn. Was ist die­sem Zentralorgan und Seelenplatz bzw. sei­nem Besitzer wider­fah­ren? Da fie­len mir die spät­mit­tel­al­ter­li­chen Erzählungen vom geges­se­nen Herzen wie­der ein. Hier legt der eifer­süch­ti­ge Vater bzw. Ehemann der Tochter bzw. Ehefrau das Herz ihres Geliebten zur Speise vor. So etwas Wohlschmeckendes habe sie noch nie ver­speist, erklärt die­se dann auf Nachfrage. Als sie vom Mord am Geliebten und der Beschaffenheit der Speise erfährt, wählt sie vor den Augen des Eifernden den Tod. Für die moder­ne Rechtsmedizin wäre ein sol­ches Herz eine ech­te Herausforderung.

Copyright Foto: Olaf Klostermann