Ist die Rollermanie erst der Anfang?

Lasst es auf den Straßen wimmeln

Düsseldorf kann ein­fach nicht mehr län­ger Autofahrerstadt sein, Detroit ist auch kei­ne Autostadt mehr. Früher ist eben frü­her. Alle fuh­ren Auto, der Führerschein mit 18 war min­de­stens so erstre­bens­wert wie das Abitur und Auspuffgase so nor­mal wie Zigarettenqualm. Jetzt ist eben jetzt, weil wir den Bogen über­spannt haben und nun wis­sen, wie es bes­ser geht. Darum ist es aus mit der Hoheit des Autos über die Straße, dem Primärrecht des Fußgängers auf sei­nen Bürgersteig und dem zöger­li­chen Ausbau von Radwegen.

Der homo metro­po­len­sis möch­te an der fri­schen Luft von A nach B und sucht stets nach Alternativen. Noch in der Kinderrädern stecken die über 13.000 E‑Scooter, die seit Juni über Deutschlands Metropolen ver­teilt wer­den und das Straßenbild in Düsseldorf mit grü­nen Eddys, oran­ge­nen Mobikes, blau­en FordPass-Bikes und Nextbikes noch ein biss­chen bun­ter und Abstellmöglichkeiten für „nor­ma­le“ Fahrradfahrer noch rarer wer­den las­sen.

Letztens traf ich einen Mann ca. 30 Jahre mit Bart und Kappe an der Ampel. Er erzähl­te mir, er hät­te sich den Roller geschnappt, weil er es sonst ein­fach nicht mehr bis zum ver­ein­bar­ten Zeitpunkt mit sei­ner Freundin zur Eisdiele geschafft hät­te. Da war ich doch sehr erleich­tert, dass es einen Sinn hat, dass man mitt­ler­wei­le über die elek­tri­schen Tretroller fällt oder von Menschen mit wehen­den Haaren und Handy in der Hand fast umge­nie­tet wird. Dummerweise ist publik gewor­den, dass E‑Scooter Strom benö­ti­gen und die Roller nachts von unter­be­zahl­ten „Freiberuflern“ mit dem Auto oder einem Kleintransporter zum Aufladen abge­holt wer­den.

Aber wir wol­len nicht klein­lich sein. E‑Scooter pas­sen ein­fach per­fekt in unse­re Spaßgesellschaft. Sie sind tren­dig, las­sen einen selbst zu einem Teil des Urban Styles wer­den, vor­aus­ge­setzt man hat die pas­sen­den Klamotten an. Ein „Must-have“ zu Sneakern, zer­fetz­ten Hosen (Männer) bzw. engen Jeans bis zur Taille (Frauen) ist die Gürteltasche (ali­as Bauchtasche). Jahrzehntelang wur­de ich belä­chelt bei Wanderungen, Kajak- und Fahrradtouren mit besag­tem Utensil um die Leibesmitte. Aber jetzt so quer über die Schulter gehängt ist es Trend. Mach ich jetzt auch so. Denn, wie die Düsseldorfer Mode-Expertin und Trendberaterin Karolina Landowski der WZ mit­teil­te: „Die Tasche ist Ausdruck einer immer mobi­le­ren Gesellschaft.“ (https://www.wz.de/panorama/modetrend-der-80er-das-comeback-der-guerteltasche_aid-45137379) Da bin ich doch dabei und set­ze ein Zeichen. Außerdem spa­re ich auf Anraten Landowskis auf eine Bauchtasche von Gucci als Einstiegsprodukt in die Marke für 590 Euro. Damit kann ich mich dann auch auf der Kö sehen las­sen.

Fun auf der Straße

Aber zurück zur Mobilitätsfrage. Warum nicht ein­mal den ganz gro­ßen Wurf in Düsseldorf wagen? Den stel­le ich mir so vor: Stadt (ein­mal mehr) auf­rei­ßen und Autos in den Untergrund schicken. Die Bürgersteige bekom­men eine Extraspur für Rollatoren, Rollstühle und Kinderwagen sowie eine wei­te­re für Bobbycars. Straße und (wo vor­han­den) Fahrradwege wer­den mit ver­schie­de­nen Spuren auf­ge­teilt für Power-Fahrradfahrer, Wellness-Fahrradfahrer, E‑Bikes, E‑Scooter, Tretroller, Segways, E‑Skateboards und Hoverboards. Vielleicht soll­te man den berühm­ten Ali Mitgutsch um ein Wimmelbuch bit­ten, damit wir, die Stadtplanungsdezernenten und alle Kinder sich das ein­mal vor­stel­len kön­nen.

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