Der Müll der anderen

Aufräumen ist super und abso­lut hipp, vor allem nach den Regeln der japa­ni­schen Aufräumqueen Marie Kondō.

Die Aussicht nicht vom Balkon, son­dern aus dem Arbeitszimmer.

Das funk­tio­niert so: Der Inhalt des Kleiderschranks oder was sonst auf­ge­räumt wer­den soll, wird auf einen Haufen gewor­fen. Dann nimmt man jedes Teil ein­zeln in die Hand und tritt in einen uti­li­ta­ri­sti­schen oder emo­tio­na­len Dialog mit der toten Materie. Was aber ist mit dem öffent­li­chen Raum? Genauer gesagt mit dem Altpapier? Damit hat sich die elfen­glei­che Marie Kondō lei­der noch nicht beschäf­tigt. Denn wir haben nicht nur viel zu viel Klimbim und Klamotten, son­dern auch zu vie­le Kartons vom Online-Shoppen. Die sind oft recht groß und wol­len par­tout nicht in die Schlitze der dafür vor­ge­se­he­nen Container pas­sen. Auf eine die­ser, auf dem Fürstenplatz gott­lob im Boden ver­senk­ten, Containeranlagen fällt mein Blick täg­lich von mei­nem Schreibtisch aus. Und ja, hier stim­me ich unse­rem Oberbürgermeister Thomas Geisel voll und ganz zu, es ist nicht schön, auf Papier- und Müllhaufen zu gucken. Lange vor dem jog­gen­den Oberbürgermeister habe ich mich mit einer Mail und eini­gen Fotos vom Tatort am 22. September 2018 an die Awista gewandt. Anders als beim Oberbürgermeister pas­sier­te auf mei­ne Beschwerde rein gar nichts, nur eine Eingangsbestätigungsmail, dass mei­ne Beschwerde an den zustän­di­gen Mitarbeiter wei­ter­ge­lei­tet wer­de.

Pate von Altpapier?

Ich hat­te zwi­schen­zeit­lich über­legt, Containerpate zu wer­den, aber irgend­wie fin­de ich die Idee, Patin von Kindern oder mei­net­we­gen auch von Orang-Utans zu sein, schö­ner. Deshalb habe ich mich kur­zer­hand selbst zum Container-Sheriff * ernannt und rücke seit­dem jeden Samstag aus und iden­ti­fi­zie­re die Empfänger der Kartons, die unsach­ge­mäß abge­stellt wer­den. Einmal schleif­te ich alles in den Hausflur des Sünders zurück, ein ande­res Mal klin­gel­te ich bei einem Herrn, der sich als Ingenieur ent­pupp­te und sich bereit erklär­te, die Kartons zu zer­rei­ßen und sie in den Container zu stecken. Seitdem läuft es hier etwas bes­ser. Das Problem ist nun, dass die Stadt für Müllsünder ein Bußgeld ver­hän­gen will. Sollte das beschlos­sen wer­den, wer­den wohl kei­ne Adressaufkleber mehr auf den Kartons zu fin­den sein und mei­ne Amtszeit fän­de ihr jähes Ende.
Bis die Bußgeldsache durch ist, hät­te ich noch einen Vorschlag für die Stadtverwaltung, der bür­ger­nah und gesund­heits­för­der­lich (weil an der fri­schen Feinstaubluft) ist und (fast) nix kostet. Man könn­te die Gratis-Fitnesskurse für die Bürger sams­tags an einem Container begin­nen. Dort wür­de ein Trainer zei­gen, wie man rhyth­misch und mit Muskeleinsatz die Kartons zer­reißt und beson­ders Sportliche könn­ten mit dem Bein nach­hel­fen, damit die Kartons nicht im Einwurfschlitz stecken­blei­ben und anschlie­ßend geht es ab in den Park.

Copyright Foto: Susan Tuchel