Affengeiler Sex hilft nicht immer

Bili in Aktion

Bili hatte endlich Sex. Für alle, die Bili noch nicht kennen sollten: Bili ist der Zwergschimpanse, der vom Frankfurter in den Wuppertaler Zoo umziehen musste.

Statt dort den gewünsch­ten Nachwuchs zu zeu­gen, wur­de Bili von sei­nen Artgenossen miss­han­delt. Teile eines Ohres und eines Zehs muss­ten dran glau­ben. Der Aufschrei im Netz war groß, als Fotos der Verstümmelungen die Runde mach­ten. Eine Petition und eine Demo von Tierfreunden folg­ten auf dem Fuße. Jetzt atmen alle auf. Bilis klei­ne Affenwelt scheint sich zu sta­bi­li­sie­ren, denn er wird gelaust und hat Sex. Letzterer hat bei den Bonobos wich­ti­ge Funktionen neben der, die eige­ne Art zu erhal­ten. Denn wenn es in der Bonobohorde  etwas zu fut­tern gibt, haben alle erst ein­mal Sex und danach wird – fried­lich – das Essen geteilt.

Triebverzicht ist ange­sagt

Anders bei uns Menschenkindern. Ungezügelter Sex mit häu­fig wech­seln­den Partnern zieht meist Ärger nach sich. Uns bringt – nach Freud – lei­der nicht die Triebbefriedigung, son­dern der Triebverzicht nach vorn, mensch­lich und kul­tu­rell. Womit wir beim Ratgeberkarussell zum Thema Fastenzeit gelan­det wären. Diese beginnt streng genom­men nicht mit guten Vorsätzen und einer Frühjahrsdiät, son­dern mit dem Aschenkreuz. Das schwar­ze Zeichen aus den Rückständen ver­brann­ter Palmwedel soll uns dar­an erin­nern, dass wir Staub sind und zu Staub zurück­keh­ren (für die, die län­ger nicht vor Ort waren: „Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wie­der zum Staub zurück­kehrst“).

Wir müs­sen uns ändern

Dieses memen­to mori behagt jedoch den wenig­sten. Ebenso wenig der Besuch einer län­ge­ren Messfeier. Doch kei­ner soll sagen, dass die Kirche nicht mit der Zeit gin­ge. Nach Fasten-SMS und Fasten-WhatsApps hat man das Dienstleistungsportfolio für die zah­len­den Mitglieder wei­ter aus­ge­baut. Seit dem letz­ten Jahr gibt es in den Bistümern  Essen und Köln „Ashes to go“, Münster hat in die­sem Jahr nach­ge­zo­gen. Warum um Himmels wil­len haben die Düsseldorfer Pfarreien das ver­schla­fen? Liegt es dar­an, dass die Priester mit der Segnung der Rosenmontagswagen gegen den Willen von Jacques Tilly zu beschäf­tigt waren?  Der Münsteraner Klerus hat auf jeden Fall dem Zeitgeist nach­ge­spürt.  Weil das mit der Sterblichkeit nicht mehr so gut ankommt, hat man die Aktion unter den Leitsatz „Lass dei­ne guten Vorsätze seg­nen“ gestellt.

Wenn sich Menschen auf dem Weg zur Arbeit oder in der Mittagspause mit einem Kaffeebecher in der Hand ihr „Ash cross to go“ abho­len, könn­te sich der eine oder ande­re viel­leicht vor­neh­men, in der Fastenzeit kei­nen Plastikbecher zu benut­zen und Kaffee wie frü­her aus einer Porzellantasse zu trin­ken.

Das glo­ba­le Zeitalter stellt ganz ande­re Anforderungen an die Fastenzeit: Wir müs­sen an die Plastikmüllberge auf den Meeren, an die Abholzung des Regenwaldes, an Methangas rülp­sen­de  Rinder, an die Ausbeutung von Arbeitskräften bei der Gewinnung von sel­te­nen Erden, an Rassismus, Depressionen, Diskriminierung und und und den­ken. Ist der kur­ze pasto­ra­le Hinweis auf die eige­ne Sterblichkeit da nicht wirk­lich unzeit­ge­mäß oder ein­fach zu ego­istisch?

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